Wertstempelzudrucke

Amtlich sind solche Ganzsachen, die von der staatlichen Postverwal­tung oder mit deren Genehmigung herausgegeben, durch die Post oder in ihrem Auftrag von anderen vertrieben und von der Post selbst oder durch sie autorisierte Dritte angekündigt wurden.
Ein nachträglicher Wertstempel­zudruck auf amtlichen Ganzsachen erfolgte durch die staatliche Postverwaltung, in einigen Ausnahmen auch unerlaubt durch Privatpersonen. Die Reichsdruckerei hat mit Bekanntgabe vom 01.03.1921 den Zudruck von Wertstempeln auf amtlichen Ganzsachen eingestellt. Anlässlich der Porto­erhöhung für Postkarten im Orts- und Fernverkehr vom 01.01.1922 wurden dann letzt­mals amtsseitige Wertstempelzudrucke (Rosetten) auf P 141I und II angebracht.

Die Reihenfolge der Darstellung erfolgt nach den Urganzsachen (den Ganz­sachen, auf denen die Zudrucke angebracht wurden) – die Sortierung erfolgt nach den Nummern des Michel Ganzsachen-Katalogs Deutschland 2009. Existieren für eine Urganzsache mehrere Wertstempelzudrucke, so findet eine Durch­nummerierung der unterschiedlichen Varianten statt.
Jeder Beleg ist durch die Michelnummer der Urganzsache und die laufende Nummer der Zudruckvariante identifiziert. (Beispiel: Dt. Reich P 66 Z 3 = 3. Zudruckvariante auf P 66). Soweit vorhanden, ist die gängige Michel-Katalognummer zusätzlich in Klammern aufgeführt – steht dort ohne, so ist sie im Michel nicht verzeichnet.


Soweit die Zudruckvarianten in den beiden folgenden Publikationen genannt sind, sind zusätzlich die dortigen Referenznummern angegeben:

  • Weiner
    Aufsatz von Erich Weiner: Deutsches Reich. Amtliche Ganzsachen mit Zusatzwertstempeln auf Privatbestellung, in Festschrift 25 Jahre BGSV, Berlin 1926
  • Borek
    Hans Meier zu Eissen: Borek Ganzsachen-Spezial-Katalog Deutschland 1850 bis 1932, Braunschweig 1978

Es werden alle Ganzsachen vom Deutschen Reich bis 1945, Bayern und Württemberg erwähnt, die nachträglich mit einem Wertstempelzudruck versehen wurden. Als eine Art von „Zusatzfrankatur“ wurden sie geschaffen, um bei Portoerhöhungen oder Währungs­umstellungen die alten Ganzsachen aufzubrauchen. Zum Teil sind sie philatelistischen Ursprungs, denn es gab engagierte Sammler (insbesondere im Umfeld des Berliner Ganzsachen Sammler Vereins), die auf diese Art Raritäten erzeugen wollten. Essais (nicht zur Einfüh­rung durch die Post gelangte Probedrucke) sind ebenfalls mit aufgeführt.


Anlässe

01.07.1875
Württemberg: Währungsumstellung von Gulden/Kreuzer auf Mark/Pfennig

01.07.1906
Wegfall der reduzierten Portostufe für Postkarten im Ortsverkehr (außer Württemberg) – Einführung eines Einheitstarifs von 5 Pfennig für Postkarten im Inlandsverkehr

01.04.1908
nur Württemberg: Portoerhöhung für Postkarten im Orts-, Nachbar­orts- und
Oberamtsverkehr auf 3 Pfennig

01.08.1916
Portoerhöhungen
für Postkarten im Orts- und Fernverkehr auf 7 ½ Pfennig
für Kartenbriefe auf 15 Pfennig
für Rohrpostbriefe im Ortsverkehr auf 35 Pfennig
für Postkarten in Württemberg im Ortsverkehr auf 5 ½ Pfennig

01.10.1918
Portoerhöhungen
für Postkarten im Fernverkehr auf 10 Pfennig
für Drucksachekarten auf 5 Pfennig
01.10.1919
Portoerhöhungen
für Postkarten im Ortsverkehr auf 10 Pfennig
für Postkarten im Fernverkehr auf 15 Pfennig
für Kartenbriefe auf 20 Pfennig
für Rohrpostkarten im Ortsverkehr auf 50 Pfennig


06.05.1920
Portoerhöhungen
für Postkarten im Inlandsverkehr auf 30 Pfennig
für Drucksachen auf 10 Pfennig
für Kartenbriefe auf 40 Pfennig
für Rohrpostkarten im Ortsverkehr auf 130 Pfennig
für Rohrpostbriefumschläge auf 1,40 Mark


31.05.1920
Außerkraftsetzung der Postkarten mit bayerischen Wertstempeln
(Aufbrauch bis zum 30.06.1920)


01.01.1922
Portoerhöhungen
für Postkarten im Ortsverkehr auf 75 Pfennig
für Postkarten im Fernverkehr auf 125 Pfennig

Druckausschuss

In der Reichsdruckerei entstand beim Wertstempelzudruck regelmässig Druckausschuss aus folgenden Gründen:

  • überzählige Stücke
  • beschädigte Stücke
  • Zudruckwertstempel schiefstehend oder verschoben
  • teilweise oder vollständig überdruckter Ausgangswertstempel
  • fehlende, überzählige, verschmierte, farblose, links unten kopfstehende oder rückseitig aufgedruckte Wertstempel
  • Farbfehldrucke
  • rückseitger Abklatsch
  • unvollständiger Wertstempelzudruck bei mehrfarbigen Zudrucken
Ausschußstücke wurden bis 1918 in Form eines vierblättrigen Kleeblatts durchlocht, danach mit einem Kreis von 25 mm im Durchmesser.
(c) 2011 Joachim Strahlendorff